Forschung und Entwicklung

Über Uns

Forschung und Entwicklung

Jahrhundertealte Tradition verbunden mit dem heutigen Stand der Wissenschaft: Unser Handeln steht in einem Spannungsfeld zwischen Kontinuität und Wandel, Alt und Neu, Beständigkeit und Fortschritt.

In enger Zusammenarbeit mit Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen haben wir diverse Forschungsprojekte realisiert und neue Erkenntnisse für den Orgelbau der heutigen Zeit erlangt.  

 

Orgelbaugeschichte fortführen durch Wissenschaft und Innovation

Unsere Forschungsprojekte

Eine wesentliche Neuerung im Pfeifenbau brachte die Zusammenarbeit mit Metallurgen. Diese untersuchten Materialproben historischer Pfeifen, um Aussagen über Beimischungen in den historischen Blei-Zinn-Legierungen zu machen. Da der Klang der Pfeifen immer unbefriedigender wurde, je moderner (und damit reiner) das Ausgangsmaterial war, lag es nahe, diese Verunreinigungen wieder gezielt zum Material hinzuzufügen. Durch diese Arbeiten ist es gelungen, die historischen Blei-Zinn-Legierungen (z.B. Englisch Zinn) zu rekonstruieren.

Als Konsequenz der Forschungsbemühungen wurde ein Verfahren benötigt, das eine objektive Analyse der Pfeifenklänge sowohl der Labial- als auch der Zungenpfeifen ermöglicht. Dabei stellt die Reproduzierbarkeit der mechanischen Eigenschaften der Pfeifen eine wesentliche Aufgabe dar. Im Projekt „Verfahren im rekonstruierenden und restaurativen Orgelbau“ wurde ein neues Verfahren, bestehend aus Klanganalyse und computergesteuerter Hobelmaschine, erarbeitet, das exakt die genannten Anforderungen erfüllen kann. Die Eigenschaften historischer Orgelpfeifen lassen sich mit dieser Hobelmaschine schneller, effizienter und genauer herstellen als in Handarbeit.

Im Rahmen dieses Projektes hat sich eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen uns und der Universität Potsdam entwickelt.

Im Projekt „Objektive Verfahren zur Intonation labialer Orgelpfeifen“ wurde die Maschine aus unserem ersten Forschungsprojekt bereits voll eingesetzt. In diesem Projekt konnte u. a. gezeigt werden, dass das Wandungsprofil der Pfeifen einen positiven Einfluss auf den Klang und den Einschwingvorgang von Labialpfeifen hat.

Das Projekt wurde mit den bewährten Kooperationspartnern UP Transfer Gesellschaft für Wissens- und Technologietransfer mbH an der Universität Potsdam und Görne Akustik Dipl.-Ing. Görne, Berlin bearbeitet.

Vom 15. Juni 2005 bis 30. September 2007 haben wir ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben mit dem Titel „Entwicklung einer Regeleinrichtung für die Windversorgung einer Orgel zur Einstellung von gewünschten Windeffekten“ in Zusammenarbeit mit der UP Transfer GmbH erfolgreich durchgeführt. Dabei haben wir eine Modellwindlade entwickelt und in Betrieb genommen. Am 4. Dezember 2009 erhielt unsere Firma dafür den Innovationspreis Berlin/Brandenburg 2009.

In einem vierten Projekt mit dem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen des Programmes „Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)“ wurde in der Zeit vom 01. Februar 2011 bis zum 31. Januar 2013 die Synchronisation von Orgelpfeifen, die Untersuchung und Messung der Effekte im Labor sowie die Entwicklung der automatischen Erfassung von Messreihen intensiv behandelt.

Zwei Orgelpfeifen, die dicht beieinanderstehen, wechselwirken miteinander. Das kann dazu führen, dass nicht mehr zwei Töne wahrgenommen werden, sondern die Pfeifen zusammen nur noch einen Ton abgeben – die Pfeifen synchronisieren. Dieser Effekt ist bei „Mixturen“ (Register einer Orgel mit mehreren Pfeifen pro Ton) nicht erwünscht, da die Pfeifen in unterschiedlichen Tonhöhen jeweils zum vollen Orgelklang beitragen sollen. Im „Doppelprincipal“ werden oft Pfeifen derselben Größe nebeneinander oder hintereinander angeordnet, um eine Anhebung des Pegels zu erreichen. Je nach Anordnung der Pfeifen wird eine Verstärkung oder Abschwächung der Lautstärke beobachtet. Hier ist eine genaue Kontrolle des Schalls gewünscht, um die Lautstärke tatsächlich anzuheben.

In verschiedenen Arbeitsschritten haben wir diesen Synchronisationseffekt von Orgelpfeifen zusammen mit der Universität Potsdam untersucht. Dabei haben wir diesen Effekt sowohl theoretisch modelliert als auch durch Messungen in der Werkstatt und in reflexionsarmen Räumen untersucht, um den Einfluss des Raumes auf diesen Effekt nachzuweisen.

In den Jahren 2011/12 entstand der Nachbau einer Byzantinischen Doppelorgel aus dem 10. Jahrhundert nach Christus vorrangig nach Bild und Textquellen des Mittelalters unter Verwendung der aus den archäologischen Funden erhaltenen Informationen. Dieses Instrument war bereits 2012 in der Ausstellung „Das goldene Byzanz und der Orient“ auf der Schallaburg (Österreich) zu sehen. Es besteht aus einer Bordunorgel mit einer Pfeifenreihe mit acht Tönen mit Zugschleifen und einer Spielorgel mit Zugschleifen und Tastenmechanik sowie zwei Pfeifenreihen mit 13 Tönen. Beide Orgeln stehen auf einer Spielkonsole und erhalten separate Windversorgungen mittels Schmiedebälgen. Eine elektrische Windversorgung ist ebenfalls integriert. Die Arbeit beinhaltet Versuche und Untersuchungen mit dem fertiggestellten Instrument, zum Beispiel in Bezug auf dessen Akustik und Handhabung. Dieses Projekt wurde von der Musik-Archäologin Susanne Rühling geleitet und in unseren Werkstätten umgesetzt.

Im Herbst 2012 erfolgte die Fertigstellung einer weiteren Rekonstruktion der Aquincum-Orgel von 228 n.Chr. mit einer neuen Konzeption, nach Auswertung verschiedenster Quellengattungen und erneuter Analyse der Bilder der Orgelfragmente. Hierbei flossen zudem erstmals Erkenntnisse aus der Aufführungspraxis Früher Musik ein. Eine neu erarbeitete Tastatur und eine gänzlich andere musikalische Stimmung und Tonfolge im Gegensatz zur Mehrzahl der bis dahin gefertigten Nachbauten wurden für die vier Pfeifenreihen mit 13 Tönen entwickelt. Versuche verschiedener Möglichkeiten der Windversorgung des Instruments sind ebenfalls umgesetzt worden.

Nachbauten aus zeitlich aufeinander folgenden Epochen ermöglichen einen Einblick in die Entwicklung musikalischer und technischer Traditionen. Die Orgel als sehr komplexes Instrument verkörpert in gewisser Weise das theoretische Konzept antiker und frühmittelalterlicher Musiktheorie und -praxis. Zudem ist es selbst Vertreter einer frühen Form der Mehrstimmigkeit. Unser Ansatz verfolgt hier neue Wege und kann zur Klärung einiger musiktheoretischer Fragen beitragen. Änderungen konstruktiver Elemente dieses Instrumententyps stehen stellvertretend für den Wandel oder den Fortbestand der theoretischen und praktischen Grundlagen. Dieses Projekt wurde von Susanne Rühling geleitet.

Byzantinische Doppelorgel
Römerorgel